Steckdosen und Stromkabel der Zukunft

Heute haben wir in der Welt etwa 10-15 verschiedene gängige Steckdosentypen für Haushaltgebrauch. Dabei übertragen diese nur Energie. Für Datenübertragung muß man einen zweiten Kanal haben, sei es ein zweites Kabel oder Funk oder so eine „powerline“-Technik, die das Stromkabel mit Hochfrequenzen für die Datenübertragung nutzt. In den Zeiten, wo unsere Haushalte Stromkabel bekommen haben, schien das ausreichend und man hatte völlig getrennt vom Stromkabel die Telefonkabel zum Kommunizieren. Immerhin bekamen die Telefone von dort ihre Energie, so daß man auch bei Stromausfall noch telefonieren konnte.

Nun gibt es aber interessante Anwendungsmöglichkeiten für einen Kommunikationskanal in vielen Haushaltsgeräte. Nicht nur das Display mit der Wbseite für Rezepte auf dem Kühlschrank, an das viele dabei denken, sondern insbesondere auch zur Optimierung des Stromverbrauchs. Heutige Stromtarife haben einen festen Preis pro kWh, vielleicht einen zweiten für die Nacht. Das Stromnetz ist aber dynamisch, es gibt Nachfrage- und Angebotsschwankungen, die sich nicht an feste Zeitraster von Tages- und Nachtstrom halten. Im Sinne einer effizienteren Nutzung wäre es also sinnvoll, wenn man bei verschiedenen Geräten den momentanen Strompreis zur Verfügung hätte und die entsprechenden Aktionen zeitlich etwas versetzt durchführen könnte. Beispielsweise läuft der Kompressor in einem Kühlschränk nur einen Teil der Zeit und er schaltet sich ein, wenn die Temperatur zu hoch wird. Nun könnte man einen Toleranzspanne festlegen und je nach momentanem Strompreis würde er sich am unteren oder am oberen Ende dieses Temperaturintervalls einschalten. Bei Waschmaschinen und Ladegeräten für Mobiltelefone könnte man zwischen einem „Express-Modus“, der die Aufgabe so schnell wie möglich erfüllt, und einem Sparmodus, der vielleicht 1.5 Mal so lange braucht, aber billigeren Strom nutzt, wählen. Das ist natürlich anspruchsvoll, denn man will z.B. die Akku-Lebensdauer nicht durch so ein komisches Laden verkürzen. Aber vielleicht lösbar. Aber es gibt noch sehr viel mehr Möglichkeiten, wenn jedes Elektrogerät prinzipiell Netzwerk zur Verfügung hat.

Die richtige Lösung ist eigentlich, daß Stromkabel und Steckdosen nicht 3-polig, sondern vielleicht 6-polig sind, mit 2-4 zusätzlichen dünnen Drähten für eine einfache Datenübertragung, die man beim einstöpseln des Steckers automatisch mitverbindet. Die Idee stammt aus den frühen 80er Jahren, aber sie ist auch heute noch sinnvoll. Wenn die meisten Geräte so einen Netzwerkanschluß brauchen, ist das die sinnvollste Lösung.

  • separates Ethernetkabel ist zu umständlich und zu viel Kabelsalat
  • Funknetze sind zwar elegant, aber sie brauchen doch unnötig Ressourcen und man könnte dieselbe Bequemlichkeit haben, wenn der Stecker das Netzwerk enthält. Dann wäre die Kapazität der Funkkanäle für die wirklich mobilen Geräte da.
  • Powerline sieht interessant aus, aber man macht doch die Qualität der Sinuswelle im Stromnetz dadurch kaputt. Ich glaube, daß das nicht die sauberste Lösung ist, sondern mehr oder weniger Komprimisse an an verschiedenen Stellen bedingt.
  • Powerline und Funknetz erfordern aufwendigere Technologie und womöglich Konfiguration an allen Endgeräten, was die Sache teurer und unpraktischer macht.

Für Computer, insbesondere Server oder Desktoprechner mit großem Bandbreitenhunger halte ich auch in Zukunft ein separates kabelgebundenes Netzwerk für sinnvoll. Das betrifft aber nur einen kleinen Anteil der Elektrogeräte. Hier ist es aber vorteilhaft, Innovationen bei der Netzwerktechnologie innerhalb weniger Jahre umsetzen zu können, während das Netzwerk in der Steckdose standardisiert und für jahrzehnte festgelegt bleiben muß. Trotzdem könnte es für einfache Anwendungen wie z.B. EMails lesen, ausreichen.

Vielleicht gibt es irgendwann einmal einen ISO-Stecker, der nach und nach in allen Ländern das gute Dutzend verschiedener Stecker verdrängt und der auch gleich noch eine einfache Internetverbindung beinhaltet.

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