Scala, Ruby, Perl,… – wann nimmt man was?

Wer einen goldenen Hammer hat, für den sieht jede Schraube wie in Nagel aus. Aber wir haben einen riesigen Werkzeugkasten und wie man sieht, überschneiden sich tatsächlich manche Werkzeuge in ihren Einsatzbereichen, aber das Universalwerkzeug ist nicht wirklich in Sicht oder doch nicht wirklich in allen Bereichen mit den Spezialwerkzeugen konkurrenzfähig.

Oft hat man ja Altlasten, also vorhandene Applikationen, die man erweitern oder ergänzen soll oder es sollen sogar neue, „in die Landschaft passende“ Applikationen hinzugefügt werden. Dann landet man bei Cobol, Railo, Fortran, C, Java, C#, C++, PL/SQL, PL/1, (Visual)Basic u.s.w. Wobei diese zum Teil sogar ihre sehr große „Nische“ haben, in der sie noch aktuell sind. Dass C für Systemprogrammierung noch sehr aktuell und fast konkurrenzlos ist, sei unbenommen.

Wenn keine Vorgaben durch Bibliotheken, Altlasten, IT-Landschaft u.s.w. bestehen, ist es natürlich interessant, in der zur Verfügung stehenden Zeit möglichst viel machen zu können. Eine Technologie, die einen zwingt, viel Zeit mit trivialen Aufgaben zu verbringen und die eigentlich interessanten Dinge in einem Wust von trivialem Code zu verstecken, den man nun einmal schreiben muss, darf man dann auch schon einmal hinterfragen. Letztlich sind zwei Wege vielversprechend, um mit wenig Code viel auszudrücken und letzlich in wenig Zeit viel zu entwickeln: Die funktionalen Sprachen wie z.B. F#, Clojure, Erlang, Elixir und Haskell. Oder die Skriptsprachen wie Ruby, Perl, Perl6 (wenn es mal fertig wird), Python und PHP. Natürlich überschneidet sich das ein Stück weit, weil einige funktionale Sprachen auch ein bißchen wie Skriptsprachen einsetzbar sind und einige Skriptsprachen auch gewisse funktionale Konstruktionen unterstützen.

Letztlich erweisen sich die funktionalen Sprachen als vielversprechend, wenn es darum geht, sehr leistungsstarke Applikationen zu entwickeln, die einen hohen Durchsatz und eine hohe Parallelisierung der Verarbeitung verwirklichen. Twitter soll mit Scala diesen Weg gegangen sein. Grundsätzlich bieten alle ernsthaften funktionalen Sprachen hier einige Möglichkeiten. F# lässt sich übrigens auch mit Mono kombiniert unter Linux verwenden. Vielleicht hat Erlang noch einen kleinen Vorteil, weil es schon auf VM-Ebene für diesen Einsatzbereich optimiert ist. Diese VM lässt sich aber auch mit Elixir verwenden. Aber man hat die Wahl zwischen mehreren Wegen.

Für viele Web-Applikationen hat sich Ruby als gut geeignet erwiesen, man sieht aber, dass es einige sehr gute PHP-Applikationen gibt. z.B. MediaWiki, die Software, mit der Wikipedia läuft. Allerdings zeichnet sich im Moment ein Trend ab, mehr von der Logik in Javascript auf der Client-Seite zu implementieren und serverseitig (fast) nur noch Webservices mit REST anzubieten, die die eigentliche Businesslogik und die Zugriffe auf die Daten zur Verfügung stellen. Diese REST-Services kann man natürlich in Ruby entwickeln; aber da gibt es viele Wege…

Ruby und vor allem Perl sind aber auch sehr stark, wenn es darum geht, Textdateien zu verarbeiten. Man kann diese nach Mustern durchsuchen, umgruppieren und umbauen und damit schöne Auswertungen machen. Für sehr große Datenmengen sollte man sich natürlich noch etwas eingehendere Gedanken machen, weil dann der Durchsatz und die Parallelisierung plötzlich mehr Bedeutung bekommen als das eigentlich Parsen des Texts. Aber man kann noch viel mehr…

Eine große Applikation kann diese Dinge auch kombinieren. GNU-Emacs ist eine sehr altes Beispiel, dass hier einen noch heute sehr aktuellen Ansatz verfolgt. Die Grundfunktionalität ist in C entwickelt und die weitergehenden Funktionen und Erweiterungen alle in Emacs-Lisp. So läßt sich ohne viel Aufwand einen Erweiterung einbinden, was nicht so leicht geht, wenn man erst einmal neu kompliieren muss. Die Idee lässt sich auch heute noch aufgreifen, wenn man eine Applikation z.B. in Scala entwickelt und dann die Möglichkeit anbietet, diese über Ruby- oder Groovy-Scripte anzusprechen, zu erweitern und zu konfigurieren.

Wenn man einmal an Häuser denkt, ist die Idee nicht so abwegig. Das eigentliche Haus ist relativ stabil aus Beton, Stein und Holz gebaut und bleibt in der Regel jahrzehntelang unverändert. Die Möbel sind selten aus Beton gegossen und eher flexibler (auch wenn sie vielerorts jahrzehntelang gleich stehen).

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